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Mehrere Faktoren bei Schwindel: Ein ganzheitlicher Blick

29. Sept. 2025
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt.



Vielleicht kennst du das: Du bist mitten in einem ganz normalen Tag, beim Einkaufen, am Schreibtisch, beim Spazierengehen, und plötzlich fühlt sich der Boden nicht mehr richtig sicher an. Für einen Moment ist da dieses Schwanken, diese Unsicherheit, und die Frage, die sich dabei fast automatisch einstellt: Was ist das jetzt schon wieder, und warum passiert es ausgerechnet jetzt?


Ich kenne dieses Gefühl aus eigener Erfahrung. Über Jahre habe ich selbst verschiedene Ärzte und Therapeuten aufgesucht, auf der Suche nach einer Erklärung für meinen eigenen Schwindel. Jeder Termin weckte neue Hoffnung, und manchmal auch neue Enttäuschung. Diese Erfahrung hat mich nicht losgelassen – und sie ist einer der Gründe, warum ich mich seit vielen Jahren intensiv mit Schwindel beschäftige.

Was mir Betroffene in meiner Arbeit erzählen, kommt mir dabei oft sehr bekannt vor: Unsicherheit im Alltag, Einschränkungen bei der Arbeit, in der Familie, in der Freizeit. Und irgendwann die leise Frage, ob es überhaupt noch einen Weg zurück in ein unbeschwertes Leben gibt.


Ärztliche Untersuchungen sind wichtig, keine Frage, und sie führen in vielen Fällen auch zu einer klaren Diagnose und erfolgreichen Behandlung. Meiner Erfahrung nach gibt es aber auch immer wieder Situationen, in denen am Ende alle Befunde unauffällig sind – und der Schwindel trotzdem bleibt. Genau in diesem Moment taucht häufig das Gefühl auf, mit den eigenen Beschwerden allein gelassen zu sein.


Ein Grund dafür kann sein, dass Schwindel nicht immer eine einzelne, klar abgrenzbare Ursache hat. Oft wirken mehrere Faktoren zusammen: Stress, Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule, eine Überlastung des Nervensystems, Reize aus der Umwelt, hormonelle Veränderungen. Fachleute beschreiben bei einer häufigen Form von anhaltendem Schwindel genau so ein Zusammenspiel: Ein Auslöser, etwa eine Erkrankung des Gleichgewichtsorgans oder eine körperliche oder seelische Belastung, setzt den Schwindel in Gang, und eine veränderte Arbeitsweise von Gleichgewichtssystem und Gehirn hält ihn aufrecht (Popkirov, Staab & Stone, 2018). Jeder dieser Faktoren kann für sich schon belasten. Treffen mehrere zusammen, können sie sich gegenseitig verstärken und den Alltag spürbar einschränken. Und genau dieses Zusammenspiel macht die Beschwerden so schwer greifbar – für Betroffene genauso wie für Untersuchende, die meist nach der einen Ursache suchen.


Jede Fachrichtung schaut mit großer Sorgfalt auf ihren Bereich: Die HNO-Ärztin prüft das Innenohr, der Neurologe das Nervensystem, der Orthopäde die Wirbelsäule. Das ist wichtig und die Grundlage jeder Abklärung. Sind alle Befunde unauffällig, kann es sich lohnen, zusätzlich auf das Zusammenspiel zu schauen: Was passiert, wenn mehrere Beeinträchtigungen gleichzeitig vorliegen und sich gegenseitig verstärken?

Genau diese Lücke begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder. Eine Frau kann zum Beispiel einen erhöhten Stresslevel, eine latente Verspannung im Bereich der Halswirbelsäule und einen schwankenden Blutzucker haben. Einzeln fallen solche Punkte oft kaum auf. Zusammen können sie aber dazu beitragen, das fein abgestimmte Gleichgewichtssystem aus der Balance zu bringen.


Vier Ebenen, die ich in meiner Arbeit immer wieder als entscheidend erlebe

Eine einzelne Maßnahme – eine Massage, eine Übung, eine kurzfristige Behandlung – kann durchaus für den Moment helfen. In meiner Arbeit sehe ich aber immer wieder, dass eine wirklich spürbare und anhaltende Entlastung erst entsteht, wenn mehrere Ebenen gleichzeitig berücksichtigt werden.


Vier Dinge spielen dabei aus meiner Erfahrung eine zentrale Rolle:

Das Nervensystem. Viele Schwindelformen hängen eng damit zusammen, ob der Körper im Überlebensmodus verharrt, oder ob er zurück in Ruhe und Regulation findet. Das kann zum Beispiel Menschen betreffen, die beruflich oder familiär dauerhaft unter Strom stehen: Der Körper bleibt in Habachtstellung, selbst wenn äußerlich gerade Ruhe herrscht, und genau das kann das Gleichgewichtsgefühl unterschwellig stören.


Das Zusammenspiel von Augen und Gleichgewicht. Wenn diese beiden Systeme nicht mehr stimmig zusammenarbeiten, kann das enorme Auswirkungen auf das Gleichgewichtsgefühl haben. Das kann zum Beispiel bei viel Bildschirmarbeit auftreten, genauso aber auch ganz einfach im Alltag, etwa beim Einkaufen oder Spazierengehen.


Die eigene Körperwahrnehmung. Wie du deinen Körper spürst, beeinflusst Haltung, Atmung und Spannung – und genau hier lässt sich bewusst etwas verändern. Oft braucht es Zeit, feine Körpersignale wie eine beginnende Anspannung wieder wahrzunehmen, bevor daraus spürbare Beschwerden werden.


Die innere Steuerung von Blutzucker, Hormonen und Stoffwechsel. Diese Prozesse wirken unmittelbar auf Gleichgewicht und Wohlbefinden.


Noch ausführlicher gehe ich auf diese Zusammenhänge in meinem Newsletter ein. Dort bekommst du regelmäßig Impulse direkt in dein Postfach.


Wenn du magst, schau in den kommenden Beiträgen wieder vorbei – ich nehme dich mit in die einzelnen Themenfelder, von den Augen über die Halswirbelsäule bis zu Hormonen und Nervensystem.


Deine Sylvia


Hinweis: Dieser Blog ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei neu auftretenden oder unklaren Beschwerden solltest du ärztlichen Rat einholen.


Quelle: Popkirov, S., Staab, J. P., & Stone, J. (2018). Persistent postural-perceptual dizziness (PPPD): a common, characteristic and treatable cause of chronic dizziness. Practical Neurology, 18(1), 5–13.

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