Reizverarbeitung im Gleichgewichtssystem – wenn das Nervensystem an seine Grenze kommt
- Sylvia Trölenberg

- 23. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Herzlich willkommen zurück auf meinem Blog Balancepunkt. Hier findest du Impulse zu Schwindel, Gleichgewicht, innerer Stabilität und Regulation – für deine Gesundheit.
In diesem Beitrag geht es um ein Thema, das oft übersehen wird – aber eine entscheidende Rolle spielt, wenn es um chronische oder diffuse Schwindelbeschwerden geht: die Reizverarbeitung im Gleichgewichtssystem.
Zu viele Informationen auf einmal
Unser Gleichgewichtssystem ist ständig damit beschäftigt, Informationen aus verschiedenen Quellen zu verarbeiten. Es gleicht ab, was die Augen sehen, was das Innenohr meldet und wie der Körper im Raum steht. Auch die Wahrnehmung von Druck, Bewegung und Lage über die Gelenke, Muskeln und Haut fließt ein.
In einer idealen Situation laufen all diese Informationen im Hintergrund zusammen, ohne dass wir es bewusst merken. Doch dieses System hat Grenzen – vor allem dann, wenn Reize aus der Umwelt, Stress, innere Anspannung oder körperliche Belastung hinzukommen.
Dann kann es passieren, dass die Reizverarbeitung nicht mehr gelingt: Das Nervensystem gerät aus dem Takt, Informationen passen nicht mehr zusammen – ein Gefühl von Unsicherheit, Schwanken oder Benommenheit entsteht.
Typische Auslöser
Bestimmte Situationen lösen Beschwerden aus oder verstärken sie. Zum Beispiel:
Räume mit vielen visuellen Reizen (z. B. Supermarkt, Bahnhof, Einkaufszentrum)
Längeres Verweilen in lauten, unübersichtlichen oder stark frequentierten Umgebungen
Bewegungen mit schneller Blickänderung oder Richtungswechsel
Übergänge zwischen Ruhe und Aktivität (z. B. Aufstehen, Losgehen, Hinsetzen)
Der Körper reagiert spürbar, auch wenn die Situation äußerlich harmlos erscheint. Das Gleichgewichtssystem ist im Hintergrund überfordert – es kann die eintreffenden Signale nicht mehr eindeutig zuordnen.
Was passiert dabei im Nervensystem?
Wenn Reize nicht mehr eindeutig verarbeitet werden, entsteht ein Durcheinander in der Sinnesverarbeitung. Das bedeutet: Die Verarbeitung der Sinne ist nicht mehr stimmig. Informationen widersprechen sich, das Gehirn findet keinen stabilen Referenzpunkt.
Das führt nicht nur zu einem körperlichen Gefühl von Unsicherheit, sondern auch zu innerem Stress. Die Reaktion darauf ist individuell: Manche Menschen frieren innerlich ein, andere spüren eine starke Unruhe, wieder andere geraten in einen Zustand von Benommenheit oder Kontrollverlust.
Die Verbesserung der Reizverarbeitung
Die gute Nachricht: Das Nervensystem ist lernfähig. Reizverarbeitung lässt sich trainieren – allerdings braucht es dafür eine achtsame, schrittweise Herangehensweise. Wichtig ist, das System nicht zu überfordern, sondern in kleinen Dosen gezielt zu fordern.
Das kann zum Beispiel so aussehen:
Bewegungen im eigenen Tempo, mit bewusster Wahrnehmung von Raum, Blick und Körper
Übungen zur Stabilisierung von Blick, Kopfhaltung und Orientierung im Raum
Reizreduktion im Alltag (weniger Bildschirmzeit, weniger Multitasking)
kurze, klare Pausen, in denen das Nervensystem zur Ruhe kommen darf
Stabile Reizverarbeitung – eine zentrale Voraussetzung für Gleichgewicht
Viele Menschen haben gelernt, Reize zu ignorieren, zu kompensieren oder zu übergehen. Doch gerade bei Schwindel ist es entscheidend, wieder in einen bewussten, stimmigen Umgang mit der Umwelt zu kommen. Das beginnt nicht im Kopf, sondern in der körperlichen und sensorischen Selbstwahrnehmung.
Daher lohnt es sich, diesen Bereich nicht nur „mitzudenken“, sondern aktiv zu fördern. Denn ein System, das Reize wieder klar und ruhig verarbeiten kann, gewinnt nicht nur an Gleichgewicht – sondern auch an innerer Sicherheit.
Kurz gefasst
Das Gleichgewichtssystem verarbeitet ständig Reize aus Augen, Innenohr und Körperwahrnehmung.
Bei Überforderung kommt es zu Fehlinformationen, die Schwindel, Unsicherheit oder Benommenheit auslösen können.
Reizverarbeitung lässt sich gezielt trainieren – in kleinen, gut dosierten Schritten.
Eine stabile Reizverarbeitung bildet die Grundlage für körperliche und emotionale Balance.
Vielen Dank für deine Zeit und dein Interesse. Schau gerne bald wieder vorbei.
Alles Gute, Sylvia
Hinweis: Dieser Blog ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei neu auftretenden oder unklaren Beschwerden solltest du ärztlichen Rat einholen.






